Das Urheberrecht in der Schule

Neulich bin ich von einer Kommilitonin auf die Seite www.schulbuchkopie.de aufmerksam gemacht worden. Sie unterrichtet schon an als Feuerwehrlehrkraft an einer Schule und bekommt die gerade herrschende Panik hautnah mit.

Die Seite ist sehr schön kurz und knapp: Es gibt kurz gefasste Regeln, was man als Lehrer kopieren darf, und was nicht. Aber das ist auch schon das Problem: Die Informationen, die sich dort finden lassen, sind zu knapp. Auf der Seite steht weder, auf welchen Grundlagen die Regeln beruhen, noch eine Angabe, von wann die Angaben sind und bis wann sie gültig sind.

An dieser Stelle startet meine Telefonodyssee, da im Impressum der Seite nur die Anschriften und Telefonnummern der KMK und des VdS Bildungsmedien e.V. angegeben sind.

1) Ich rufe beim VdS Bildungsmedien e.V. an. Ich frage die nette Dame am Telefon, woher diese Regeln auf der Seite www.schulbuchkopie.de kommen. Sie Antwortet mir, dass sei auf einem Vertrag der KMK und des Vereins beruhen. Dieser sei nicht einsehbar und die Informationen auf der Seite seien eh veraltet, da vor kurzem ein neuer Vertrag vereinbart worden sei. Bis die Internetseite aber aktualisiert wäre dauere es aber noch etwas. Auf die Frage, ob ich denn irgendwoher Informationen bekäme leitet sie mich weiter zu:

2) der KMK-Zentrale in Bonn (die Nummer ist auf der Internetseite angegeben). Da die Dame hier auch nicht wirklich weiterhelfen kann, bekomme ich die Durchwahl von einer Kollegin in der KMK in Berlin.

3) Die nette Dame hier kennt die Seite nicht wirklich, kann sich aber erinnern, dass da ja was war mit Urheberrecht und so. Dementsprechend kann sie mir dazu auch nichts Näheres sagen. Sie bittet trotzdem um meine eMail-Adresse, um mir weitere Informationen zuschicken zu können, falls sie welche findet. Da sie mir aber zu dem Zeitpunkt nicht weiterhelfen kann, leitet sie mich weiter an:

4) eine weitere nette Kollegin der KMK, aus, man höre und staune, Bonn. Diese ist aber leider an einem Donnerstag um 16.20 Uhr nicht mehr erreichbar.

Mittlerweile habe ich eine eMail aus Berlin erhalten. Darin enthalten sind folgende, kurz kommentierte, Links:

Naja. Also keine neuen Informationen. Auf die Idee, mich über das UrhG zu informieren, bin auch schon gekommen. Und darüber, ob Wikipedia hier eine so gute Referenz ist, lässt sich streiten.

Immernoch
4) Mittlerweile habe ich nach ein paar Versuchen auch die Kollegin in Bonn erreicht. Die scheint auch nicht so wirklich zu wissen, was hier los ist. Beispielsweise ist ihr die Existenz der Seite www.schulbuchkopie.de nicht wirklich präsent. Allerdings gibt sie mir den Tipp, auf der Seite der KMK nach dem ominösen Vertrag zu suchen. Und siehe da: Hier gibt es etwas mehr Informationen in einer Pressemitteilung zu dem Thema, allerdings vom 28.11.2008!
Aber immerhin lassen sich an dieser Stelle eindeutige Daten finden: Die Regeln, die im Internet kursieren, galten nur bis zum 31.12.2010. Dementsprechend muss man momentan beim Kopieren aus Schulbüchern gutgläubig sein und einfach mal davon ausgehen, dass das so richtig ist, was man da tut, wenn man sich auf die im Internet frei zugänglichen Informationen verlässt.
Nach einem erneuten Telefonat mit der hilfreichen Dame aus Bonn, weiß ich nun endlich, wo dieser Vertrag zu finden ist. Nämlich auf der Seite des Deutschen Bibliotheksverbandes. Na, da hätte ich doch auch selber drauf kommen können… Da hier aber auch nur der alte Vertrag zu finden ist (gültig bis zum 31.12.2010), ist die nette Dame wirklich nett und scannt! mir den neuen Vertrag ein. Und siehe da: das einzige, was sich geändert hat, ist der Betrag, den die Länder zahlen müssen. Dieser steigt jedes Jahr um 300 000 – 500 000 €, sodass die Verwertungsgesellschaften und die Schulbuchverlage für das Jahr 2011 7 300 000 € von den Ländern für das Kopieren an Schulen bekommen. Für andere Stellen, an denen kopiert werden darf, gelten noch einmal andere Verträge, die auch auf der Seite des Deutschen Bibliotheksverbandes abrufbar sind.

Und nun endlich hat meine Odyssee ein Ende gefunden. Inhaltliche Einzelheiten zum Kopieren folgen hier in einem späteren Artikel.

Was ich daraus gelernt habe:

  1. Sich rechtlich in solchen Sachen sicher zu sein, kostet viel Arbeit und Nerven. Da wird man doch schnell in Versuchung geführt auf Recherchen zu verzichten und einfach das zu glauben, was einem so erzählt wird.
  2. Anscheinend hatte ich Glück, dass ich nach 4 Telefonaten an die richtige Person gelangt bin, die tatsächlich den richtigen Vertrag vor sich liegen hatte. Erschreckend, wie viele Leute keine Ahnung haben, von dem was sie so machen. Vor allem die Dame vom VdS Bildungsmedien e.V.
  3. Das Internet macht auch die Schule und öffentliche Einrichtungen nicht schneller. Die letzte Unterschrift zum aktuellen “Gesamtvertrag zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen nach § 53 UrhG” erfolgte am 19.01.2011. Trotzdem wird mir im Mai 2011 gesagt, die Veröffentlichung bräuchte noch seine Zeit. Naja, einen kleinen Stapel Papier ggf. einzuscannen (wenn er nicht schon digital vorliegt) und hochzuladen dauert halt.

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